Yoga Sutra Übersetzung von Sanskrit nach Englisch mit Kommentaren.
Das Yoga-Sūtra: Ein Text, der aus sich selbst heraus verstanden und praktisch erfahren werden muss
Das Yoga-Sūtra ist ein faszinierender, aber oft missverstandener Text – zunächst überwältigend, aber absolut entscheidend für ein tieferes Verständnis des Yoga und seiner Praxis.
In diesem Buch verfolgt Grischa einen ungewöhnlichen, aber notwendigen Ansatz: Anstatt das Werk durch die Brille zahlloser Interpretationen zu lesen, übersetzt er es von Grund auf neu, ganz ohne Denkverbote. Das Ergebnis? Ein Yoga-Sūtra, das die inneren Verbindungen des Textes kohärent herausarbeitet und – mit erfahrungsbasierten Beispielen hinterlegt – nach und nach immer klarer wird.
Yoga Sutra ist kein Text, den ein Anfänger ohne jahrelanges Training begreifen kann. Ein Klavier-Anfänger lernt auch nicht Klavierspielen durch das Lesen von Chopin-Etüden oder Bach-Fugen, womöglich ohne Notenkenntnisse. Aber man muss als Yogi dennoch damit anfangen. Sonst wäre man wie ein Musiker ohne Ahnung von Musik.
Das vorliegende Werk ist ein sehr anspruchsvoller Ansatz für Menschen, die Yoga ernst nehmen, die sich nicht mit Glückskeksweisheiten abspeisen lassen wollen. Das bedeutet jahrelange Arbeit, unermüdliche Praxis der Kontemplation, eine hohe und Frusttoleranz. Aber am aller wichtigsten: Die Bereitschaft zum Loslassen von bequemen Wahrheiten und individuelle Erläuterungen durch Lehrer, die diese Arbeit bereits hinter sich haben.
Die Radikalität der Denkweise des Yoga-Sutra muss man an vielen und kontextuell passenden Beispielen erst lernen.
Dieses Buch unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von anderen Kommentaren:
- Die Struktur eines „Sūtra“ ernst genommen
Jede einzelne Verszeile wird möglichst detailliert hinsichtlich Etymologie, Grammatik, und Logik (mit Bezug auf den gesamten Text) analysiert.
Es muss nachvollziehbar sein, wie eine Übersetzung zustande kommt und welche weiteren Bedeutungen im Geiste „mitschwingen“ müssen.
Die oberste Prämisse war: Wenn etwas unlogisch oder rein theoretisch erscheint, muss ein Denkfehler vorliegen.
Alle zentralen Zusammenhänge ergeben sich aus dem Text selbst und dürfen nicht – wie üblich – nach Vorliebe des Autors von außen hinzugezogen werden.
- Mit den Sanskrit-Begriffen vertraut werden
Oft werden Schlüsselbegriff wie Samādhi, Īśvara, Yamas, Vṛttis, Kleśas vollkommen konfus übersetzt. Nur im Original können sie in der Praxis als Orientierungspunkte dienen, mit denen man Erfahrungen benennen und einordnen kann und über die man sich mit anderen Praktizierenden und erfahrenen Lehrern austauschen kann.
Es ist verlockend, mit vertrauten Begriffen in der „eigenen Sprache“ zu hantieren, einfach weil es einfacher erscheint. Dieser Fehler ist unbedingt zu vermeiden. Jede Übersetzung verändert den Text und selbst vermeintlich kleine Ungenauigkeiten potenzieren sich zu fundamentalen Fehlannahmen, die das Verständnis des Textes vollständig unmöglich machen.
- Die Praxis als ultimativer Prüfstein der Übersetzung
Jede Aussage des Yoga-Sūtra lässt sich in der persönlichen Praxis verifizieren. Wenn sich auch nach Jahren Bemühens nichts von dem einstellt, was im Yoga-Sutra steht, macht man kein Yoga. Gymnastik ist eben nur Gymnastik und kein Yoga. Sobald man den Schriften folgt statt kommerziellen Geschäftsideen, stellen sich bedeutende Erkenntnisse innerhalb weniger Wochen ein.
- Übersetzungsfehler und ausgedachte Kommentar vermeiden
Genauso müssen Yoga-Sutra-Übersetzungen als falsch gelten, wenn die dort beschriebenen Effekte weder empirisch noch logisch verifizierbar sind. Viele Kommentare haben ganz offensichtlich mehr mit spekulativer Philosophie als mit einer praktischen Unterstützung von gelebtem Yoga zu tun.
- Die rätselartige, strenge Struktur der Verse beibehalten
In beinahe allen vorliegenden Übersetzungen werden die Verse mit dem Ziel übersetzt, dass man sie leicht lesen kann.
Das macht Übersetzungen zwar leichter konsumierbar (und so besser kommerziell verwertbar). Aber leider wird der Text so vollkommen nutzlos. Zum einen wird der ursprüngliche Inhalt dafür auf oft groteske Weise verfremdet. Noch schlimmer ist: Die Praxis zeigt, dass der Text nur dann funktioniert, wenn man ihn erarbeitet.
Der Autor hat sich entschieden, die rätselartige, grammatikalisch strenge Struktur ohne Verben beizubehalten. Yoga Sutra wird zu einer yogischen Praxis, wenn das Gehirn des Studierenden nach und nach die logischen Rätsel „knackt“, was dem Prinzip des Lösens Zen-Kōans sehr ähnlich ist.
Man ist zu dem Umdenken gezwungen, das der yogischen Realitätssicht entspricht.
Eine gute Übersetzung verlangt keinen blinden Glauben – sie erschließt den Text aus sich selbst heraus, in deinen eigenen Worten. Sie klärt, anstatt zu verschleiern. Und vor allem respektiert sie die Integrität des ursprünglichen Sanskrits, anstatt moderne spirituelle Wunschbilder in Patañjalis Worte hineinzuinterpretieren.
Wer die Tiefe des Yoga wirklich kennt, versteht, dass es sich um einen endlosen Prozess der Verfeinerung handelt. Der größte Fehler besteht darin, eine einzige Übersetzung oder einen einzigen Kommentar als endgültig zu betrachten. Diese Übersetzung basiert zwar auf vielen Jahren Arbeit. Und dennoch sie immer unvollendet und braucht noch Jahre weiterer Auseinandersetzung. Sie soll dem Leser vor allem einen Weg eröffnen, sich – basierend auf einer korrekten grammatikalischen Anlyse – eigene Gedanken zu machen.
Dieses Buch ist eine Einladung, das Yoga-Sūtra mit frischem Blick zu lesen – logisch fundiert, praxisnah und frei von Dogmen.